Alte Strecken hatten viele charakterischtische Merkmale, Telegrafenmasten und die dazugehörigen Freileitungen gehörten dazu.

Hier gibt es einige Vorbildimpressionen, Hinweise vom Spezialisten Martin Balser und einige Dokumente aus der DV (Archiv MĂŒhl).

Der Abbau alter Strecken schreitet fort.

Im Großraum Biedenkopf gibt es noch einige Strecken mit Telegrafenmasten, die ich im Juni 2007 noch fotografieren konnte.

Vorangestellt einige Anmerkungen und Vermutungen von Martin Balser © 2007
AbstĂŒtzung, warum eigentlich an dieser Stelle? (Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

Üblich ist es, die Fernmeldeleitungen, egal ob Freileitung oder Kabel, an den Betriebsstellen auf allen Adern zu unterbrechen. Die Streckenfernsprechleitung (Fs) wird an jeder Zugmeldestelle (Bahnhof, Abzweigstelle), die Blockleitung an jeder Zugfolgestelle (wie vor, außerdem an Blockstellen) unterbrochen. Andere Verbindungen, z.B. Unfallruf (FbUD), werden z.B. ĂŒber die ganze Strecke durchgeschaltet.

Die Freileitungsenden werden an ÜberfĂŒhrungsendverschlĂŒssen (ÜEV) angeschlossen, die einen Blitzschutz enthalten, und gehen dann auf ein EinfĂŒhrungskabel. Streckenkabel gehen direkt auf eine Kabelabschlußgarnitur im Kabelabschlußgestell z.B. im EG. Dort werden die fĂŒr durchgehende Leitungen benötigten Adern zusammengeschaltet, wobei auch die PlĂ€tze im GestĂ€ngebild gewechselt werden können. Wenn eine oder wenige Adern gestört sind, kann man auf eine heil gebliebene Ader umschalten und in Ruhe den Schaden suchen. Zum Einmessen der Störung mit MeßbrĂŒcke oder Laufzeitmessung muss man die Leitungsabschnitte aufteilen können, was am Kabelabschlußgestell einfach zu realisieren ist.

Die typischen Maste, an denen eine Betriebsstelle eingeschaltet ist, haben entweder zwei TrĂ€ger, wie in den Bildern nachstehend zu sehen ist, oder Isolatoren mit zwei Rillen ĂŒbereinander. Um mit nur einer Isolatorensorte auszukommen, wurde letztere Bauart schon seit einiger Zeit nicht mehr neu gebaut.

Die Isolatoren mit grĂŒnem Ring kennzeichnen alte Reichsbahnisolatoren. Die Reichspost hatte welche ohne Ring. So konnte man bei einem GemeinschaftsgestĂ€nge sofort unterscheiden, welche Leitung wem gehörte. Die Bundesbahn hat spĂ€ter auf den Ring verzichtet, nachdem es keine GemeinschaftsgestĂ€nge mehr gab.

Außerdem werden die DrĂ€hte einer Doppelader oder eines ViererbĂŒndels in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden (etwa alle 5 km) gekreuzt, um induktive Störungen zu unterdrĂŒcken. An einer solchen Kreuzungsstelle findet man ebenfalls zwei TrĂ€ger oder Isolatoren mit doppelter Rille, aber keinen ÜEV.

Schließlich ist es notwendig, alle paar Maste eine AbstĂŒtzung in LĂ€ngsrichtung zu haben, damit das GestĂ€nge bei einem Bruch an einer Stelle nicht wie ein Dominospiel bis zum Horizont umfĂ€llt. Dazu nimmt man natĂŒrlich bevorzugt die Maste mit Kreuzungsstellen, weil die bei der Drahtmontage vorĂŒbergehend einseitig belastet werden.

Ein Freileitungsbruch bringt zumindest heute keinen Fernmelder mehr aus dem Bett. Es gibt ja noch «Posttelefon» und Handy fĂŒr die Zugmeldungen, und Streckenblock ist was fĂŒr Ängstliche ...

Bei den von RĂŒdiger fotografierten Endmasten ist zu vermuten, dass die Leitung ursprĂŒnglich mal weiter ging, es also Kreuzungsmaste waren. Irgendwann musste ein StĂŒck der Strecke verkabelt werden, weil z.B. eine Hochspannungsleitung oder StraßenbrĂŒcke kreuzt. Ja, und welche Maste nimmt man da am bequemsten als neue Endpunkte? NatĂŒrlich die, wo der Draht sowieso endet.

Kabel ziehen, ÜEV ran und das Ganze am Tag X umschalten!

Zu den doppelten Isolatoren noch folgende Überlegung:

Wenn man die Leitung an einem Isolator enden lÀsst, muss man den Draht einmal herumlegen und verzwirbeln. An der Verzwirbelung ist der Draht damit aber besonders bruchempfindlich. Wenn jetzt der Wind den Draht hin und her schaukeln lÀsst, wird er irgendwann dort brechen.

Setzt man einen zweiten Isolator davor und macht den Draht mit einem Seitenbund fest, so ist das Ende mit der Verzwirbelung ruhiggestellt. Der Draht wird nicht mehr belastet als bei einem normalen Zwischenmasten.

Literatur: Fernmeldebauvorschrift DV 860 (Anlagen aus dem Archiv MĂŒhl am Schluss der Seite)



Hier die Bilder von RĂŒdiger BĂ€cker:

Hier ein Endmast, anschließend geht es unter der Erde weiter. Hier wird der Mast gegen die verdrahtete Richtung abgestĂŒtzt und von der anderen Seiten noch verspannt. 

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

Hier die Verspannung von der anderen Seite.

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

Über einen Anschlußkasten geht es in die Erde. 

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

Hier die Seitenansicht. Die grĂŒnen Ringe machen die Leitungen der Bahn erkennbar

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

In der VergrĂ¶ĂŸerung ist zu erkennen, dass jede Leitung auf zwei Isolatoren befestigt ist. Die Sache steht unter Druck, wie man an den schief stehenden Isolatoren sieht. Auch das Abspannseil hat sich schon ein StĂŒck ins Holz eingedrĂŒckt. Gegen Abrutschen ist das Abspannseil mit einem Haken gesichert. Hier gibt es jede Menge Details, wenn man das mal nachbauen will. 

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

Das andere Ende der Strecke mit der Freileitung... 

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

Hier etwas anders abgespannt. 

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

Und auch dazu mal die Seitenansicht. 

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)

Doppelte Abspannung der Leitung auf 2 Isolatoren im Detail betrachtet. 

(Bild: RĂŒdiger BĂ€cker)



DV 860 aus dem Archiv MĂŒhl:
Hinweis

Dieser Artikel wurde ursprĂŒnglich 2007 von mir (RĂŒdiger BĂ€cker) auf der Website der FREMO:87-Gruppe veröffentlicht. Aufgrund der vielen Bilder ist dieser Artikel hier und nicht im FREMO-NET neu veröffentlicht (05/2012).